Blühtermine alter und neuer Apfelsorten in Südtirol

Flowering times of old and new apple varieties in South Tyrol
Epoche di fioritura di antiche e nuove varietá di melo in Alto Adige
Johanna Wesche1, Edmund Ebner2, Gerold Frank2, Irene Höller2, Walter Guerra2
1 Hochschule Osnabrück, Osnabrück, Deutschland
2 Versuchszentrum Laimburg, Pfatten, Italien

Abstract

A suitable pollen donor variety must not only have a pollen compatible with the main variety, the flowering period of both varieties should also overlap sufficiently. The flowering time is crucial for the pollination of apples and thus influences yield and fruit quality. One particular question is whether new, promising varieties such as Minneiska (SweeTango®) or WA 38 (Cosmic Crisp®) have sufficient overlap of the flowering period with the current main South Tyrolean varieties such as Gala, Golden Delicious, or Cripps Pink (Pink Lady®) and can therefore be grown without an additional pollen donor. At the Laimburg Research Centre, the flowering dates of 236 different apple varieties were recorded with a standardized method. These were old local varieties, the current main, and new varieties. The surveys considered in this study were carried out between 2010 and 2020 at the locations Laimburg at 220 m a.s.l. and Latsch at 670 m a.s.l.. The result is a solid categorization of around 200 apple cultivars based on their relative flowering time. It is known that climatic conditions have a strong influence on the flowering duration. This fact was proven by the results over the years and at the different locations.

Eine geeignete Pollenspendersorte muss nicht nur einen kompatiblen Pollen zur Hauptsorte aufweisen, sondern die Blühperiode beider Sorten sollte sich auch ausreichend überschneiden. Der Blühtermin ist entscheidend für die Befruchtung der Apfelblüte und beeinflusst somit den Ertrag und die Fruchtqualität. Es stellt sich unter anderem die Frage, ob neue vielversprechende Sorten wie z.B. Minneiska (SweeTango®) oder WA 38 (Cosmic Crisp®) mit den Südtiroler Hauptsorten wie Gala, Golden Delicious oder Cripps Pink (Pink Lady®) eine ausreichende Überschneidung der Blühperiode aufweisen und somit ohne zusätzlichen Pollenspender angebaut werden können. Am Versuchszentrum Laimburg wurden die Blühtermine von 236 verschiedenen Apfelsorten mit einer standardisierten Methode erhoben. Es handelt sich dabei um alte Lokalsorten, die aktuellen Hauptsorten und neue Sorten. Die in dieser Zusammenfassung berücksichtigten Erhebungen wurden von 2010-2020 sowohl am Standorten Laimburg auf 220 m ü. NN, als auch am Standort Latsch auf 670 m ü. NN durchgeführt. Das Ergebnis ist eine fundierte Kategorisierung von rund 200 Apfelsorten aufgrund ihres relativen Blühtermins. Die klimatischen Bedingungen beeinflussen bekanntlich die Blühdauer stark, was sich auch in den Ergebissen an den unterschiedlichen Standorten und Jahren widerspiegelte.

Una varietà donatrice di polline idonea non solo deve avere un polline compatibile con la varietà principale, ma il periodo di fioritura di entrambe le varietà dovrebbe sovrapporsi sufficientemente. L' epoca di fioritura gioca un ruolo importante nell' impollinazione e quindi influenza la resa e la qualità dei frutti. Sorge tra l’altro la domanda se nuove varietà promettenti come Minneiska (SweeTango®) o WA 38 (Cosmic Crisp®) abbiano una sufficiente sovrapposizione del periodo di fioritura con le varietà principali altoatesine come Gala, Golden Delicious o Cripps Pink (Pink Lady®), e potrebbero quindi essere coltivate senza un impollinatore aggiuntivo. I periodi di fioritura di 236 varietà di melo sono stati rilevati presso il Centro di Sperimentazione Laimburg con un metodo standardizzato. Trattasi di vecchie varietà locali, delle attuali varietà principali e di nuove varietà. I rilievi considerati in questo riassunto sono stati effettuati dal 2010 al 2020 presso il sito di Laimburg a 220 m s.l.d.m. e a Laces a 670 m s.l.d.m. Il risultato è una solida categorizzazione di oltre 200 cultivar di melo in base alla loro epoca di fioritura. Notoriamente le condizioni climatiche hanno una forte influenza sulla durata della fioritura, tale assunzione si è confermata negli anni e nei siti di analisi.

Einleitung

Die Befruchtung der Blüte ist im Apfelanbau ein erster wichtiger Schritt zu hohen Erträgen und guter Fruchtqualität. Der Apfel gilt als selbststeril, daher wird der Pollen einer fremden Sorte benötigt. Für eine optimale Befruchtung spielt die Kompatibilität des Pollens der Befruchtersorte mit dem der Hauptsorte eine wichtige Rolle. Die Kompatibilität der Sorten lässt sich durch die sogenannte Intersterilität erklären. Gelangt der Pollen einer Sorte der gleichen Intersterilitätsgruppe auf die Narbe einer Blüte, keimt dieser zwar aus, jedoch wird das Pollenschlauchwachstum im Griffel durch die RNAsen gehemmt [1][2]. Dies wird zum Teil durch die S-Allele kontrolliert, die in verschiedenen Formen vorkommen. Haben zwei Sorten die gleichen S-Allele, so gehören sie einer Intersterilitätsgruppe an [3]. Sorten sind vollständig kompatibel, wenn sie sich in beiden S-Allelen unterscheiden, und halbkompatibel, wenn ein S-Allel identisch ist und das andere nicht [4]. Sind Sorten nur halbkompatibel, kann dennoch bei ausreichend vorhandenem Pollen ein guter Fruchtansatz gebildet werden [2][4]. Vor allem bei Sorten, bei denen sich die Blühperiode nur kurz überschneidet, sollten Befruchter mit einem vollkompatiblen Pollen ausgewählt werden [4]. Triploide Sorten wie Jonagold oder Boskoop, besitzen drei S-Allele. Diese sind als Befruchter generell ungeeignet, da ihr Pollen kaum keimfähig ist [5].
×
Beim Apfel lässt sich jedoch eine geeignete Befruchtersorte nicht allein anhand eines kompatiblen Pollens definieren. Ein guter Pollenspender sollte sich mit der Blühperiode der Hauptsorte ausreichend überschneiden [6]. Die Einteilung der Blühtermine erfolgt oft in fünf Kategorien: früh, mittelfrüh, mittel, mittelspät, spät [3]. Es ist wichtig, dass der Pollenspender ein bis zwei Tage vor der Hauptsorte aufblüht und in seinem Blühtermin um nicht mehr als eine Kategorie von der Hauptsorte abweicht [6].
×
Neben dem Blühtermin spielt auch die Blühdauer bei der zeitlichen Überschneidung von Pollenspender und Hauptsorte eine Rolle. Die Blühdauer ist genetisch bedingt bei jeder Sorte verschieden, wird aber auch von der Witterung beeinflusst. Sorten mit einer langen Blühperiode und mit einer verzögerten Entwicklung während einer Schlechtwetterperiode sind oft im Vorteil, da sie grundsätzlich eine bessere Bestäubungs- und damit Befruchtungschance als rasch und bei jedem Wetter aufblühende Sorten haben [7]. Diese Eigenschaft sollte auch ein guter Pollenspender mitbringen. Darüber hinaus ergibt sich die Gesamtblühdauer eines Baumes aus unterschiedlichen Terminen der Einzelblüten. Der Blütenstand beim Apfel ist zu einzelnen Infloreszenzen zusammengefasst. Die Einzelblüten haben eine unterschiedliche Wertigkeit in der Aufblühfolge. In der Regel blüht die in der Mitte angeordnete Königsblüte (Abb. 1) als erste auf [8]. Auch die stigmatische Empfänglichkeit der Königsblüte setzt als erste ein. Diese Verschiebung in der Aufblühfolge hat einen Vorteil gegenüber Spätfrösten und stellt die Fruchtproduktion innerhalb einer Infloreszenz sicher [9].
×
  • [7] Fischer M. (2002). Apfelanbau, integriert und biologisch. Ulmer, Stuttgart, Deutschland, hier pp. 78-82, 128-131, 174-179.
  • [8] Matsumoto S. (2014). Apple Pollination Biology for Stable and Novel Fruit Production. Search System for Apple Cultivar Combination Showing Incompatibility Based on the S-RNase Allele Database. International Journal of Agronomy, 2014:138271,
    DOI: 10.1155/2014/138271.
  • [9] Losada J.M., Herrero M., (2013): Flower strategy and stigma performance in the apple inflorescence. Scientia Horticulturae 150, 283-289,
    DOI: 10.1016/j.scienta.2012.11.031.
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Abb. 1: Königsblüten einer Apfelinfloreszenz bei den Sorten (A) Champagner Renette, (B) MC 38 (Crimson Snow®), (C) Civni (Rubens®), (D) Lb 17906 und (E) R201 (Kissabel®) // Royal blossoms of an apple inflorescence in the varieties (A) Champagner Renette, (B) MC 38 (Crimson Snow®), (C) Civni (Rubens®), (D) Lb 17906 und (E) R201 (Kissabel®).

Schlechtes Wetter und kühle Temperaturen zur Blüte beeinflussen nicht nur den Insektenflug und damit die Bestäubung, sondern auch das Pollenschlauchwachstum. So benötigt dieses beispielsweise bei einer Temperatur von 8 °C neun Tage und bei 15 °C zwei Tage, um die Eizelle zu erreichen und zu befruchten. Der Honigbienenflug ist ab einer Temperatur unter 8 °C eingestellt [10]. Dies bedeutet, dass keine Übertragung des Pollens mehr stattfindet. Auch die Pollenkeimung erfolgt bei kühleren Temperaturen deutlich langsamer. Dennoch wirkt sich vorübergehend kühleres Wetter zur Blüte kaum nachteilig auf den Fruchtansatz aus, da auch die Alterung der Samenanlage verlangsamt ist [3]. Schlechtes Wetter und kühlere Temperaturen verlängern die Blühdauer und sind ein Grund, warum diese von Jahr zu Jahr für eine Sorte variieren kann. Außerdem kann bei Temperaturen von über 25 °C in Kombination mit trockener Luft und Wind, die Narbe während der Pollenkeimung schneller austrocknen und damit die Befruchtung entscheidend verringern [6].
×

Neue Sortentrends verändern das aktuelle Apfelsortiment. Auch in Südtirol gibt es viele Sortenneuheiten, vor allem Clubsorten, die für den zukünftigen Anbau interessant sind. Bei einer Bewertung der Sorteneigenschaften wird auch der Blühtermin für diese festgelegt, um daraus mögliche Befruchtersorten ableiten zu können. In Obstgärten sind noch oft alte Sorten zu finden. Auch hier drängt sich die Frage auf, wann diese blühen und welche Sorten sie befruchten können. Durch die Bonitur der Blühtermine für die alten Lokalsorten am Standort Laimburg, kann auch diese Fragestellung beantwortet werden. Durch eine im Trend immer früher einsetzende Apfelblüte nimmt auch die Gefahr für einen Spätfrost zum Zeitpunkt der Blüte zu. Vor allem in den höhergelegenen Anbaugebieten spielt dies eine Rolle. Daher ist man auf der Suche nach spätblühenden Sorten. Dies kann auch für die Züchtung neuer Sorten ein interessantes Merkmal sein.

Anhand der Blühtermine können also mögliche Pollenspender für eine Hauptsorte ausgewählt werden. Um diese für den Anbauer bei der Sortenwahl überschaubarer zu machen, werden sie in Kategorien unterteilt. Im Rahmen dieser Arbeit wurde für mehr als 200 alte, gängige und neue Sorten aufgrund systematischer Erhebungen am gleichen Standort im Laufe von 10 Jahren der relative Blühtermin definiert.

Zu dem ergab sich die Frage, ob sich die drei Sortengruppen (alte, aktuelle Haupt- und neue Sorten) in ihren Blühterminen unterscheiden. Aus der Literatur geht hervor, dass sich die derzeitigen Sorten in bestimmten genetischen Eigenschaften sehr ähneln, da sie aus genetisch eng verwandten Elternsorten hervorgegangen sind. Ein Beispiel dafür sind die gleichen S-Allele, die die aktuellen Sorten aufweisen [1][2].
×
  • [1] Broothaerts W. (2003). New findings in apple S-genotype analysis resolve previous confusion and request the re-numbering of some S-allelels. Theoretical and Applied Genetics 106:703-714, DOI: 10.1007/s00122-002-1120-0.
  • [2] Mair T., Höller I., Guerra W. et al. (2018). A molecular Dating service. Finding the perfect match for every apple. Acta Horticulturae (1203), 99-104,
    DOI: 10.17660/ActaHortic.2018.1203.15.

Material und Methoden

Sorten und Standorte

100 neue Sorten und 16 Hauptsorten wurden im Sortiment am Standort Laimburg auf 220 m ü. NN und am Standort Latsch, im Vinschgau auf 670 m ü. NN geprüft. Die 123 berücksichtigten Lokalsorten befinden sich nur am Standort Laimburg. Pro Sorte steht am Standort Laimburg eine Parzelle mit 4 und am Standort Latsch eine Parzelle mit 5 Bäumen auf Unterlage M9 im Pflanzabstand 3,2 x 1,2 m (Laimburg) bzw. 3,3 x 0,9 m (Latsch). Die Bewirtschaftung erfolgt nach den Richtlinien des Integrierten Anbaus, der Standort Laimburg verfügt im Unterschied zu Latsch über eine Überkronenbewässerung zum Frostschutz. Am Standort Laimburg lag die Monatsmitteltemperatur des Jahrzehnts (2010-2020) für den Monat April, dem Hauptmonat der Apfelblüte, bei 13,7 °C. In Latsch beträgt die Monatsmitteltemperatur im gleichen Zeitraum für April im Schnitt 11,9 °C. Am Standort Latsch werden die nötigen Wärmeeinheiten zum Vegetationsstart später erreicht, weshalb die Blüte dort im Schnitt eine Woche später einsetzt.

Erhebung der Blühstadien

Um die Blühtermine für die Sorten festzulegen, wurden die BBCH-Stadien "Beginn der Blüte" (BBCH 61), "Vollblüte" (BBCH 65) und "Ende der Blüte" (BBCH 69) erfasst. Die Einordnung der BBCH-Stadien nach Meier et al. (1994) [11] diente als Vorlage. Die Bonitur erfolgte als Schätzung über alle Bäume einer Parzelle im Mittel. Bei den Bonituren für die Stadien BBCH 61 und BBCH 65 wurden fast ausschließlich die Blüten am zwei- und mehrjährigen Holz bewertet, das heißt, dass bei BBCH 61 die Königsblüte bei jedem zweiten Blütenbüschel geöffnet war. Die Vollblüte (BBCH 65) wurde dann bonitiert, wenn 80% der Blüten geöffnet waren und erste Blütenblätter abfielen. Dies weicht von der Beschreibung nach Meier et al. (1994) [1] ab, bei der die Vollblüte bereits nach 50% geöffneter Blüten mit ersten abfallenden Blütenblättern beschrieben wird. Das Ende der Blüte (BBCH 69) wurde festgelegt, wenn alle Bäume vollständig abgeblüht waren. Dies schloss auch die Blüten am einjährigen Holz mit ein. Die ausgewerteten Daten betreffen den Zeitraum 2010-2020.
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  • [11] Meier U., Graf H., Hack H. (1994). Phänologische Entwicklungsstadien des Kernobstes (Malus domestica Borkh. und Pyruscommunis l.), des Steinobstes (Prunus-Arten), der Johannisbeere (Ribes-Arten) und der Erdbeere (Fragaria x ananassa Duch.).
  • [1] Broothaerts W. (2003). New findings in apple S-genotype analysis resolve previous confusion and request the re-numbering of some S-allelels. Theoretical and Applied Genetics 106:703-714, DOI: 10.1007/s00122-002-1120-0.

Einteilung der Blühtermine

Für die Einteilung der Blühtermine wurden nur die Daten ab dem 3. Standjahr der Versuchsbäume verwendet. Die Hauptsorte Golden Delicious diente als Referenzsorte. Für die anderen Sorten wurde die Anzahl der Tage vor beziehungsweise nach Golden Delicious für das Erreichen der Vollblüte festgehalten. Viele der neuen Sorten wurden erst in den Jahren 2016 oder 2017 gepflanzt, daher ergaben sich die Daten für diese aus den Jahren 2018, 2019 und 2020. Für die Einteilung der Blühtermine wurden anhand der zeitlichen Abweichungen zur Referenzsorte Golden Delicious fünf Kategorien festgelegt. Es wurde dafür der Mittelwert der Anzahl an Tagen bestimmt, an denen eine Sorte vor bzw. nach Golden Delicious das Stadium der Vollblüte erreicht hatte (BBCH 65). Anhand dieser Werte wurden die Sorten einer der fünf Kategorien zugeordnet. Die genaue zeitliche Abgrenzung für diese fünf Kategorien ist in Tabelle 1 aufgezeigt. Der Mittelwert für die maximale Abweichung der frühsten Vollblüte lag bei 5 Tagen vor Golden Delicious. Die späteste Vollblüte setzte im Mittel 6 Tage nach der Referenzsorte ein. Anhand dieser Werte wurden die zeitlichen Abgrenzungen für die Kategorien festgelegt. Neben dem Blühtermin, wurde auch die Blühdauer für jede einzelne Sorte ermittelt. Die Blühdauer ergab sich aus der Anzahl der Tage vom Blühbeginn (BBCH 61) bis zum Blühende (BBCH 69). Um die Überschneidung der Blühperioden einzelner Sorten genauer zu erfassen, wurden die Blühverläufe für die einzelnen Jahre graphisch dargestellt. Hierfür wurden die Stadien BBCH 61 (Blühbeginn) und BBCH 69 (Blühende) mit eingebunden. Für den Vergleich der drei Sortengruppen bezüglich ihrer Blühtermine wurde der Chi-Quadrat-Homogenitätstest (p = 0.05) angewandt. Dieser ermöglicht es die Häufigkeitsverteilung der Blühtermine innerhalb der Sortengruppen zu erfassen. Als Streuungsmaße wurden außerdem die Varianz, Standardabweichung und der Standardfehler ermittelt.

Tab. 1: Schema für die Klassifizierung der Blühtermine // Scheme for the classification of the flowering dates.

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Kategorie

Category

Anzahl Tage vor / nach Golden Delicious

Number of days before / after Golden Delicious

Früh

≥ 4 Tage vor

Mittelfrüh

2 - 3 Tage vor

Mittel

1 Tag vor bis 1 Tag nach

Mittelspät

2- 3 Tage nach

Spät

≥ 4 Tage nach

Ergebnisse

Blühverlauf der Lokalsorten am Standort Laimburg

Die Blühtermine von Lokal- und Hauptsorten werden bereits seit mehreren Jahren am Standort Laimburg erhoben. Dies zeigt Abbildung 2, in der die Tage nach Jahresbeginn für die Vollblüte über die letzten zehn Jahre abgebildet sind. Die Abbildung gibt einen Überblick und zeigt, dass die Vollblüte in den Jahren 2012 und 2017 im Schnitt um den 3. April (92 Tage nach Jahresbeginn) einsetzte und damit am frühsten war. Am spätesten war das Jahr 2013 mit einer Vollblüte um den 20. April (109 Tage nach Jahresbeginn). Im Jahr 2015 wurden keine Daten erhoben. Als Ausreißer ist die Sorte Spätblühender Taffet zu nennen, die im Schnitt erst 23 Tage nach Golden Delicious die Vollblüte erreicht. Die frühblühende israelische Sorte Anna ist eine sogenannte "low chilling" Sorte mit einem niedrigeren Kältebedarf und ist durchschnittlich bereits sechs Tage vor Golden Delicious in Vollblüte.

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Abb. 2: Zeitpunkt der Vollblüte nach Jahresbeginn für die letzten 10 Jahre bei den Lokal- und Hauptsorten am Standort Laimburg. Ausreißer/Nummer: Spätblühender Taffet (61, 117, 166, 257, 345, 438, 584), Graham´s Jubiläumsapfel (256, 344, 436, 583), Rote Sternenrenette (255, 343, 435), Anna (62, 167), Gravensteiner (T1606) (118, 346), Böhmischer Brüderling (119), Landsberger Renette (342), Kronprinz Rudolph (347), Wildböhmer (348), Weißer Astrachen (349), Kleiner Herrenapfel (440), Gewürzluiken (433), Ribston Pepping (434), Kleiner Herrenapfel (437), Jamba 69 (483), Elstar (717) // Time of the full bloom after the beginning of the year fort he last 10 years for the local and main varieties at the Laimburg location. Outlier/number: Spätblühender Taffet (61, 117, 166, 257, 345, 438, 584), Graham´s Jubiläumsapfel (256, 344, 436, 583), Rote Sternenrenette (255, 343, 435), Anna (62, 167), Gravensteiner (T1606) (118, 346), Böhmischer Brüderling (119), Landsberger Renette (342), Kronprinz Rudolph (347), Wildböhmer (348), Weißer Astrachen (349), Kleiner Herrenapfel (440), Gewürzluiken (433), Ribston Pepping (434), Kleiner Herrenapfel (437), Jamba 69 (483), Elstar (717).

Blühverhalten von Lokal-, Haupt- und neuen Sorten

Da die Blühtermine der einzelnen Sorten in fünf verschiedene Kategorien unterteilt wurden, konnten Haupt-, Lokal- und neue Sorten miteinander verglichen werden. Der Chi-Quadrat-Homogenitätstest ergab keine signifikanten Unterschiede (p = 0.05) für die Häufigkeitsverteilung der Blühtermine innerhalb der Sortengruppen. Dennoch zeigte sich, dass die derzeitigen Hauptsorten zu über einem Drittel zeitgleich mit Golden Deliciousin der Vollblüte stehen (Abb. 3).

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Abb. 3: Prozentuale Verteilung der Blühtermine für die einzelnen Sortengruppen im Mittel über die Jahre 2018, 2019 und 2020 (n.s. Chi-Quadrat-Homogenitätstest, p = 0.05) // Percentage distrubition of the flowering dates fort the individual variety groups on average over the years 2018, 2019 and 2020 (n.s. Chi-Quadrat-Homogenitätstest, p = 0.05).

Ein ähnlicher Blühtermin der Hauptsorten ist für deren gegenseitige Bestäubung und damit Befruchtung von Vorteil. Es wurde beobachtet, dass einige der neuen Sorten wie beispielsweise Minneiska (SweeTango®) oder GC 3.2 deutlich früher, beziehungsweise WA 38 (Cosmic Crisp®) deutlich später das Stadium der Vollblüte erreichen. Daher stellt sich die Frage, ob sich die Blühperiode der neuen Sorten mit den aktuellen Hauptsorten ausreichend überschneidet oder beim Anbau dieser Sorten ein zusätzlicher Pollenspender benötigt wird. In Abbildung 4 ist der Blühverlauf aus dem Frühjahr 2019 am Standort Laimburg für ausgewählte Sorten dargestellt. Das Frühjahr 2019 hatte eine sehr lange Blühperiode, bei der die Blühtermine einzelner Sorten sehr weit auseinander lagen. Dennoch war die Überschneidung bei den einzelnen Sorten ausreichend. In Abbildung 5 ist der Verlauf der Blühperiode aus dem Frühjahr 2018 am Standort Latsch dargestellt. In diesem Frühjahr war die Blühdauer an diesem Standort besonders kurz. Hier zeigte sich, dass eine ausreichende Überschneidung während der Blüte vor allem bei neuen spätblühenden Sorten problematisch sein kann. Die neue Sorte WA 38 (Cosmic Crisp®) erreichte die Vollblüte sechs Tage später. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Referenzsorte Golden Delicious bereits das BBCH-Stadium 69 (Blühende) erreicht. In Tabelle 2 ist für 192 der 236 untersuchten Sorten der Blühtermin dargestellt. Die fehlenden Sorten haben noch keinen Sortenschutz, daher ist eine namentliche Veröffentlichung noch nicht möglich.

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Abb. 4: Verlauf der Blühperiode ausgewählter Sorten im Frühjahr 2019 am Standort Laimburg (Blühverlauf der Hauptsorten dunkelgrün) // Course of the flowering period of selected varieties in spring 2019 at the Laimburg location (Flowering process of the main varieties darkgreen).

+

Abb. 5: Verlauf der Blühperiode ausgewählter Sorten im Frühjahr 2018 am Standort Latsch (Blühverlauf der Hauptsorten dunkelgrün) // Course of the flowering period of selected varieties in spring 2018 at the Latsch location (Flowering process of the main varieties darkgreen).

Tab. 2: Festgelegte Blühtermine aller erhobenen Sorten (in alphabetischer Reihenfolge) // Fixed flowering dates for all oft he varieties surveyed (in alphabetical order).

+

Sorte/Klon

Variety/clone

Markenname

Brand name

Sortengruppe

varietygroup

Blühtermin (Kategorie)

flowering date (category)

Adersleber Kalvill

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Alkmene

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Alter Wildling

 

Lokalsorten

früh

Ananas Renette

 

Lokalsorten

mittel

Anna

 

Lokalsorten

früh

apple 98

Pippa®

neue Sorte

mittel

Barbarossa

 

neue Sorte

mittelfrüh

Baumanns Renette

 

Lokalsorten

mittel

Berner Rosen

 

Lokalsorten

mittel

Bismarckapfel

 

Lokalsorten

mittel

Böhmischer Brünnerling

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Boikenapfel

 

Lokalsorten

mittel

Bozner Apfel

 

Lokalsorten

mittel

Braeburn

 

Hauptsorte

mittel

Bramleys Seedling

 

Lokalsorten

mittel

Break

 

neue Sorte

mittelfrüh

Brixner Plattling

 

Lokalsorten

mittel

Brünnerling Großer

 

Lokalsorten

mittel

Cellini

 

Lokalsorten

mittel

Champagner Renette

 

Lokalsorten

mittel

CIV323

Isaaq®

neue Sorte

mittelspät

CIVM49

RedPop®

neue Sorte

mittel

Civni

Rubens®

Hauptsorte

mittel

Cripps Pink

Pink Lady®

Hauptsorte

mittelfrüh

Cripps Red

Joya®

neue Sorte

mittel

Crisp

 

neue Sorte

mittel

Croncels

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Danziger Kantapfel

 

Lokalsorten

mittel

Die Blauen

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Discovery

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Edelböhmer

 

Lokalsorten

mittel

Edelroter

 

Lokalsorten

mittel

Elstar

 

Hauptsorte

mittel

Erbachhofer

 

Lokalsorten

mittel

Falchs Gulderling

 

Lokalsorten

mittel

FEM 16

 

neue Sorte

mittel

FEM 4

 

neue Sorte

mittel

FEM 8

 

neue Sorte

mittel

Fengapi

Tessa®

neue Sorte

mittel

Flavia

 

neue Sorte

mittel

Florianer Rosmarin

 

Lokalsorten

mittel

Freiherr von Berlepsch

 

Lokalsorten

mittel

Frida

 

neue Sorte

mittel

Fuji

 

Hauptsorte

mittel

Gala

 

Hauptsorte

mittel

GC3.2

 

neue Sorte

früh

Geflammter Kardinal

 

Lokalsorten

mittelspät

Geheimrat Dr. Oldenburg

 

Lokalsorten

mittel

Gelber Bellefleur

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Gelber Edelapfel

 

Lokalsorten

mittelspät

Gelber Richard

 

Lokalsorten

mittel

Gestreifter Herbstkalvill

 

Lokalsorten

mittel

Gewürzluiken

 

Lokalsorten

mittelspät

Gloster

 

Lokalsorten

mittelspät

Golden Delicious

 

Hauptsorte

mittel

Goldparmäne

 

Lokalsorten

mittelspät

Goldrenette von Blenheim

 

Lokalsorten

mittel

Gradisca

Enjoy®

neue Sorte

mittel

Graham's Jubiläumsapfel

 

Lokalsorten

spät

Granny Smith

 

Hauptsorte

mittel

Gravensteiner

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Grüner Stettiner

 

Lokalsorten

mittel

GS-66

Fräulein®

neue Sorte

mittelspät

Harberts Renette

 

Lokalsorten

mittel

HC2-1

zingy®

neue Sorte

mittelfrüh

Herren Brünnerling

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Idared

 

Hauptsorte

mittelfrüh

Inobi

 

neue Sorte

mittel

Inogo

 

neue Sorte

mittel

Inolov

Mandy®

neue Sorte

mittel

Ipador

Giga®

neue Sorte

mittel

Jakob Fischer

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Jamba 69

 

Lokalsorten

mittel

Jonagold

 

Hauptsorte

mittel

Kaiser Alexander

 

Lokalsorten

mittel

Kaiser Wilhelm

 

Lokalsorten

mittel

Kalterer Böhmer

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Kanada Renette

 

Lokalsorten

mittel

Karmelitter Renette

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Kizuri

Morgana®

neue Sorte

mittel

Kleiner Herrenapfel

 

Lokalsorten

mittelspät

Köstlicher

 

Lokalsorten

mittel

Krippele Apfel

 

Lokalsorten

mittel

Kronprinz Rudolph

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Lananer Süßling

 

Lokalsorten

mittelspät

Landsberger Renette

 

Lokalsorten

mittel

Lavanttaler Bananenapfel

 

Lokalsorten

mittelspät

Laxton`s Superb

 

Lokalsorten

mittel

Lb 04852

 

neue Sorte

mittel

Lb 17906

 

neue Sorte

mittelfrüh

Lespin

Garance®

neue Sorte

mittel

Luikenapfel

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Maia 1

EverCrisp®

neue Sorte

mittelspät

MC 38

Crimson Snow®

neue Sorte

mittelspät

Minister von Hammerstein

 

Lokalsorten

mittel

Minneiska

SweeTango®

neue Sorte

mittelfrüh

MN 55

Rave®

neue Sorte

mittelspät

Monalisa

 

neue Sorte

früh

Morgenduft Dallago

 

Hauptsorte

mittelspät

Muskat Renette

 

Lokalsorten

mittelspät

Nicoter

Kanzi®

Hauptsorte

mittel

Nord Spee

 

Lokalsorten

mittelspät

NY1

Snap Dragon®

neue Sorte

mittelspät

NY2

Rubyfrost®

neue Sorte

mittelspät

Ontario

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Osnabrücker Renette

 

Lokalsorten

mittel

Pfreisling

 

Lokalsorten

mittel

Pia 17

 

neue Sorte

mittel

Pia 32

 

neue Sorte

früh

Pink Pearl

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Pinova

 

Hauptsorte

mittel

Plattlederer

 

Lokalsorten

mittel

Plattmantuaner

 

Lokalsorten

mittelfrüh

PremA129

Dazzle®

neue Sorte

mittelspät

PremA34

Cherish®

neue Sorte

mittelfrüh

PremA96

Rockit®

neue Sorte

mittel

Priam

 

Lokalsorten

mittel

Prinz Albrecht von Preußen

 

Lokalsorten

mittel

Prinzenapfel

 

Lokalsorten

mittel

Quittenmaschanzker

 

Lokalsorten

mittel

R201

Kissabel®

neue Sorte

mittel

Red Delicious

 

Hauptsorte

mittel

Regalyou

Candine®

neue Sorte

mittel

Renetta Simirenko

 

Lokalsorten

mittel

Ribston Pepping

 

Lokalsorten

mittelspät

RM-1

Red Moon®

neue Sorte

mittelspät

Rosa di Fondo

 

Lokalsorten

mittelspät

Rosa di Seio

 

Lokalsorten

mittel

Rosmarina Rosa

 

Lokalsorten

mittel

Rote Sternrenette

 

Lokalsorten

spät

Roter Eiserapfel

 

Lokalsorten

mittelspät

Roter gestreifter Astrachan

 

Lokalsorten

mittel

Roter Griesapfel

 

Lokalsorten

mittelspät

Roter Herbstkalvill

 

Lokalsorten

mittel

Roter Jonathan

 

Lokalsorten

mittelspät

Roter Palmapfel

 

Lokalsorten

mittel

Roter Stettiner

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Roter von Simonfi

 

Lokalsorten

mittelfrüh

RS-1

Red Moon®

neue Sorte

mittelspät

Rubinette Rossina

 

Lokalsorten

mittel

Ruby East

 

Lokalsorten

mittel

Salzburger Rosenstreifling

 

Lokalsorten

mittel

Salzburger Rosmarin

 

Lokalsorten

mittel

Samerling

 

Lokalsorten

spät

Schöner von Boskoop

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Schöner von Nordhausen

 

Lokalsorten

mittel

Schöner von Wiltshire

 

Lokalsorten

mittel

Schweizer Orangenapfel

 

Lokalsorten

mittel

Scilate

Envy®

neue Sorte

mittel

Shinano Gold

Yello®

neue Sorte

mittel

Signe Tillisch

 

Lokalsorten

mittelspät

Sommergewürzapfel

 

Lokalsorten

mittel

Sommerköniger

 

Lokalsorten

mittelspät

Spätblühender Taffet

 

Lokalsorten

spät*

Spencer Seedless

 

Lokalsorten

mittelspät

Spitzlederer

 

Lokalsorten

mittel

Spitzling

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Stark Earliest

 

Lokalsorten

mittel

Steinpepping

 

Lokalsorten

mittel

Sternapi

 

Lokalsorten

mittel

Süßapfel

 

Lokalsorten

mittel

TC3

Lucyglo®

neue Sorte

mittelspät

Tiroler Maschanzker

 

Lokalsorten

mittel

Tiroler Spitzlederer

 

Lokalsorten

mittelspät

Topaz

 

Hauptsorte

mittelfrüh

UEB 6581

 

neue Sorte

mittel

WA 2

Sunrise Magic®

neue Sorte

mittel

WA 38

Cosmic Crisp®

neue Sorte

spät

Wagnerapfel

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Weberbartlapfel

 

Lokalsorten

mittel

Weidners Goldrenette

 

Lokalsorten

mittel

Weißer Astrachan

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Weißer Rosmarin

 

Lokalsorten

mittel

Weißer Tafelapfel

 

Lokalsorten

mittel

Weißer Wiesling

 

Lokalsorten

mittelspät

Weißer Winterkalvill

 

Lokalsorten

mittel

Weißer Wintertaffet

 

Lokalsorten

mittelspät

Wellington Bloomless

 

Lokalsorten

mittelspät

Welsch Rasoner

 

Lokalsorten

mittel

Welschbrunner

 

Lokalsorten

mittel

Wildböhmer

 

Lokalsorten

mittelfrüh

Winesap

 

Hauptsorte

mittel

Winterbananenapfel

 

Lokalsorten

mittel

WUR 37

freya®

neue Sorte

mittel

Xeleven

Swing®

neue Sorte

mittel

Y101

Kissabel®

neue Sorte

mittel

Y102

Kissabel®

neue Sorte

mittelfrüh

Y103

Kissabel®

neue Sorte

mittel

Zeuka

 

Lokalsorten

mittel

Zigeunerapfel

 

Lokalsorten

mittel

ZIN 17

Deichperle®

neue Sorte

mittel

Zouk 31

Rubisgold®

neue Sorte

mittel

Unterschiede zwischen den Standorten

Beim Vergleich der Sorten zwischen beiden Standorten zeigten sich einige Unterschiede. Am interessantesten war dabei die unterschiedlich lange Blühdauer. Diese war am Standort Latsch in den Jahren 2018, 2019 und 2020 im Mittel bei allen Sorten kürzer als am Standort Laimburg (Abb. 6). Dies war zu beobachten, obwohl die Temperatur in Latsch zum Zeitpunkt der Blüte ca. 2 °C niedriger war als am Standort Laimburg. Frühblühende Sorten zeigten am Standort Laimburg eine sehr lange Blühdauer. In Latsch dagegen war diese im Vergleich zu anderen Sorten eher kurz.

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Abb. 6: Mittelwert der Blühdauer über alle Sorten für die Standorte Laimburg und Latsch über die Jahre 2018, 2019 und 2020 (Fehlerindikator: Standardfehler) // Average value of the flowering time over all varieties for the Laimburg and Latsch locations over the years 2018, 2019 and 2020 (error indicator: standard error).

Diskussion

Die Einteilung der Blühtermine nach unserem Schema hat ergeben, dass viele aktuelle Hauptsorten zeitgleich mit der Südtiroler Hauptsorte Golden Delicious in der Vollblüte stehen. Die Darstellung der Blühperiode unterschiedlicher Sorten zeigte, dass für die meisten neuen Sorten eine ausreichende Überschneidung während der Blüte besteht, da diese einen ähnlichen Blühtermin haben. Für die frühblühenden neuen Sorten eignen sich die derzeitigen Clubsorten Cripps Pink (Pink Lady®) und Nicoter (Kanzi®) gut für eine gegenseitige Bestäubung, da diese ebenfalls etwas früher als Golden Delicious das Stadium der Vollblüte erreichen. Hier muss zusätzlich die Kompatibilität der Sorten untereinander beachtet werden. Bei neuen Sorten wie WA 38 (Cosmic Crisp®), die eine späte Blüte aufweisen, kann in Jahren mit bestimmten Witterungsverläufen eine gute Befruchtung problematisch werden. Dies zeigte sich im Frühjahr 2018 in Latsch, wo aufgrund besonders warmer Temperaturen die Blühperiode sehr kurz war. Eine unzureichende Befruchtung führt zu einem mangelnden Fruchtbehang und geringerer Fruchtqualität. Es kommt zu einer verringerten Samenbildung und damit zu einer geringeren Auxinkonzentration in den Früchten. Solche Früchte fallen infolgedessen beim ersten Nachblütefruchtfall, sowie dem späteren Junifruchtfall vermehrt vom Baum [7]. Außerdem sind die Früchte oft kleiner, weisen eine schlechtere Calciumversorgung auf und sind deformiert [11]. Tailleur et al. (2018) [6] empfiehlt, dass die Sorten in ihren Blühterminen nur eine Kategorie voneinander abweichen sollten, dies konnten unsere Ergebnisse bestätigen. Die einzige Hauptsorte mit einem mittelspäten Blühtermin ist die Sorte Morgenduft Dallago. Diese spielt im Anbau in Südtirol flächenmäßig jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Beim Anbau neuer spätblühender Sorten sollte daher die Nutzung eines zusätzlichen Pollenspenders in Betracht gezogen werden. Eine gute Alternative dafür könnte die Verwendung von Zieräpfeln sein, die in der Baumreihe zwischen den Bäumen der Hauptsorte gepflanzt werden. Als spätblühend wird beispielsweise die Zierapfelsorte Hilleri beschrieben [6].
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  • [7] Fischer M. (2002). Apfelanbau, integriert und biologisch. Ulmer, Stuttgart, Deutschland, hier pp. 78-82, 128-131, 174-179.
  • [11] Meier U., Graf H., Hack H. (1994). Phänologische Entwicklungsstadien des Kernobstes (Malus domestica Borkh. und Pyruscommunis l.), des Steinobstes (Prunus-Arten), der Johannisbeere (Ribes-Arten) und der Erdbeere (Fragaria x ananassa Duch.).
  • [6] Tailleur C., Baab G., Lorenz J. (2018). Befruchtung optimieren - Fruchtbarkeit steigern. Öko-Obstbau 1, 7-12. Retrieved July 5, 2020, from https://www.foeko.de/wp-content/uploads/2018/05/1-2018-kernobst-befruchtungsverhaeltnisse.pdf.
Aus der Literatur geht hervor, dass kühlere Temperaturen die Blühdauer verlängern [7][8][12]. Dennoch war die Blühdauer am Standort Latsch im Schnitt über die letzten drei Jahre kürzer, obwohl hier die Temperaturen zum Zeitpunkt der Blüte niedriger als am Standort Laimburg waren. Dies könnte damit zusammenhängen, dass es am Standort Laimburg eine Frostschutzberegnung gibt, während in Latsch nicht gegen Spätfröste beregnet wird. Das kann einen Einfluss auf die Blühdauer haben, da durch die zeitweise unterbrochene Beregnung Verdunstungskälte entsteht. Diese führt zur Abkühlung von Luft und Boden und verzögert den Blühprozess [12]. Die Anzahl der Sonnenstunden hat ebenfalls einen Einfluss auf die Blühdauer [7]. Daher könnte die im Vinschgau höhere Anzahl an Sonnenstunden, sowie die zum Zeitpunkt der Blüte in Latsch intensivere globale Sonneneinstrahlung eine weitere Erklärung für die kürzere Blühdauer in Latsch sein. In Zukunft wird dieses Phänomen in den höheren Lagen im Zuge des Klimawandels noch markanter zu beobachten sein [13]. Eine verkürzte Blühdauer kann die Zeit für einen ausreichende Befruchtung verringern [14]. Daher sollte vor allem in den Höhenlagen bei der Sortenwahl auf die Abweichung der Blühtermine geachtet werden.
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  • [7] Fischer M. (2002). Apfelanbau, integriert und biologisch. Ulmer, Stuttgart, Deutschland, hier pp. 78-82, 128-131, 174-179.
  • [8] Matsumoto S. (2014). Apple Pollination Biology for Stable and Novel Fruit Production. Search System for Apple Cultivar Combination Showing Incompatibility Based on the S-RNase Allele Database. International Journal of Agronomy, 2014:138271,
    DOI: 10.1155/2014/138271.
  • [12] Schuhmacher R. (1989). Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. Ulmer, Stuttgart, Deutschland, hier pp. 11-45, 70-84.
  • [13] Stainer R. (2014). Klimawandel - Hype oder Herausforderung für den Obstbau Südtirols. Vortrag Interpoma 2014, Retrieved June 6, 2020, from https://docplayer.org/44222834-Klimawandel-hype-oder-herausforderung-fuer-den-obstbau-suedtirols.html.
  • [14] Blanke M., Kunz A. (2009). Einfluss rezenter Klimaveränderungen auf die Phänologie bei Kernobst am Standort Klein-Altendorf - anhand 50-jähriger Aufzeichnungen. Erwerbs-Obstbau 51, 101-114, DOI: 10.1007/s10341-009-0086-3.

Danksagung

Der Dank geht an die gesamte Arbeitsgruppe Pomologie vom Versuchszentrum Laimburg für die tatkräftige Unterstützung, außerdem an Martin Thalheimer für die Bereitstellung der langjährigen Wetterdaten. Dieser Artikel ist die Zusammenfassung einer Bachelorarbeit, die 2020 an der Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, der Hochschule Osnabrück eingereicht wurde [15].
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  • [15] Wesche J. (2020). Blühtermine neuer Apfelsorten und -klone sowie von Apfellokalsorten in Südtirol. (Bachelorarbeit) Hochschule Osnabrück. Osnabrück, Deutschland.

Literatur

  • [1] Broothaerts W. (2003). New findings in apple S-genotype analysis resolve previous confusion and request the re-numbering of some S-allelels. Theoretical and Applied Genetics 106:703-714, DOI: 10.1007/s00122-002-1120-0.
  • [2] Mair T., Höller I., Guerra W. et al. (2018). A molecular Dating service. Finding the perfect match for every apple. Acta Horticulturae (1203), 99-104,
    DOI: 10.17660/ActaHortic.2018.1203.15.
  • [3] Kellerhals M., Schütz S., Christen D. et al. (2014). Befruchtung der Obstsorten. (Agroscope Transfer ; 41). Agroscope, Wädenswil, Schweiz. Retrieved June 6, 2020, from https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/publikationen/suchen/agroscope-transfer/band-1-75.html.
  • [4] Schneider D., Stern R.A., Goldway M. (2005). A Comparison between semi- and Fully Compatible Apple Pollinators Grown under Suboptimal Pollination Conditions. HortScience 40 (5), 1280-1282,
    DOI: 10.21273/HORTSCI.40.5.1280.
  • [5] Pickhardt A., Fluri P. (2000). Die Bestäubung der Blütenpflanzen durch Bienen. Biologie, Ökologie, Ökonomie. (Mitteilung ; 38). Schweizerisches Zentrum für Bienenforschung, Liebefeld, Schweiz. Retrieved June 25, 2020, from http://www.vhs-mittelthurgau.ch/documents/veranstaltungen/bestaeubung-durch-bienen.pdf.
  • [6] Tailleur C., Baab G., Lorenz J. (2018). Befruchtung optimieren - Fruchtbarkeit steigern. Öko-Obstbau 1, 7-12. Retrieved July 5, 2020, from https://www.foeko.de/wp-content/uploads/2018/05/1-2018-kernobst-befruchtungsverhaeltnisse.pdf.
  • [7] Fischer M. (2002). Apfelanbau, integriert und biologisch. Ulmer, Stuttgart, Deutschland, hier pp. 78-82, 128-131, 174-179.
  • [8] Matsumoto S. (2014). Apple Pollination Biology for Stable and Novel Fruit Production. Search System for Apple Cultivar Combination Showing Incompatibility Based on the S-RNase Allele Database. International Journal of Agronomy, 2014:138271,
    DOI: 10.1155/2014/138271.
  • [9] Losada J.M., Herrero M., (2013): Flower strategy and stigma performance in the apple inflorescence. Scientia Horticulturae 150, 283-289,
    DOI: 10.1016/j.scienta.2012.11.031.
  • [10] Mantinger H. (2000). Hochwertige Fruchterträge durch optimale Befruchtung im Apfelanbau. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 136 (10), 209-212.
  • [11] Meier U., Graf H., Hack H. (1994). Phänologische Entwicklungsstadien des Kernobstes (Malus domestica Borkh. und Pyruscommunis l.), des Steinobstes (Prunus-Arten), der Johannisbeere (Ribes-Arten) und der Erdbeere (Fragaria x ananassa Duch.). Nachrichtenblatt Deutscher Pflanzenschutzdienst 46 (7), 141-153. Retrieved June 25, 2020, from http://docplayer.org/83373712-Nachrichtenbl-deut-pflanzenschutzd-46-7-s-issn-eugen-ulmer-gmbh-co-stuttgart.html.
  • [12] Schuhmacher R. (1989). Die Fruchtbarkeit der Obstgehölze. Ulmer, Stuttgart, Deutschland, hier pp. 11-45, 70-84.
  • [13] Stainer R. (2014). Klimawandel - Hype oder Herausforderung für den Obstbau Südtirols. Vortrag Interpoma 2014, Retrieved June 6, 2020, from https://docplayer.org/44222834-Klimawandel-hype-oder-herausforderung-fuer-den-obstbau-suedtirols.html.
  • [14] Blanke M., Kunz A. (2009). Einfluss rezenter Klimaveränderungen auf die Phänologie bei Kernobst am Standort Klein-Altendorf - anhand 50-jähriger Aufzeichnungen. Erwerbs-Obstbau 51, 101-114, DOI: 10.1007/s10341-009-0086-3.
  • [15] Wesche J. (2020). Blühtermine neuer Apfelsorten und -klone sowie von Apfellokalsorten in Südtirol. (Bachelorarbeit) Hochschule Osnabrück. Osnabrück, Deutschland.