Eine Plattform gefüllt mit Wissen rund um den Obstbau

A platform filled with information about fruit growing
Una piattaforma riempita con informazioni sulla frutticoltura
Julia Strobl1,2
1 Versuchszentrum Laimburg
2 Sortenerneuerungskonsortium Südtirol

Das Projekt EUFRUIT

Das Projekt EUFRUIT, bei welchem Südtirol durch das Versuchszentrum Laimburg und das Sortenerneuerungskonsortium (SK) Südtirol vertreten wird, neigt sich dem Ende zu. Die 21 Projektpartner (siehe Tab. 1) aus 12 europäischen Ländern können nun eine mit Informationen rund um den Obstbau gefüllte Wissensplattform sowie eine stolze Anzahl an Aktivitäten zur Wissensvermittlung präsentieren.

Ziel dieses jetzt zu Ende gehenden EU-Projekts war es, Forschung und Praxis besser zu vernetzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Effizienz des Obstbaus in Europa zu steigern [1]. Dies soll durch das direkte Überführen von Forschungsergebnissen und Innovationen in die Praxis und das Aufzeigen von Forschungsbedarf gewährleistet werden. Durch den verstärkten Austausch zwischen Forschungsinstituten, landwirtschaftlichen Organisationen und der Obstwirtschaft sollte der Obstbau in Europa gestärkt werden. Südtirol als eines der größten Apfelanbaugebiete Europas ist mit dem Versuchszentrum Laimburg und dem SK Südtirol gleich doppelt in dem Netzwerk vertreten. Finanziert wurde das Projekt EUFRUIT vom europäischen Forschungsförderungsprogramm Horizon 2020.
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  • [1] Berger J., Strobl J. (2017). Europaweit vernetzt. Südtiroler Landwirt 71 (4), 48-49.
Mit einer Dauer von drei Jahren und einem Gesamtbudget von 1.8 Mio. Euro ist das Projekt EUFRUIT offiziell im März 2016 gestartet. Die Projektpartner setzen sich sowohl aus führenden europäischen Forschungsinstituten als auch aus wichtigen Praxisvertretern zusammen. Im Rahmen des Projekts wollen die Partner neue Forschungsergebnisse, Wissen und Erfolgsmodelle („best practices“) austauschen, um die landwirtschaftliche Praxis innerhalb Europas innovativer und wettbewerbsfähiger zu gestalten [2].
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  • [2] Strobl J. (2018). Projekt EUFRUIT bringt Praxis und Forschung zusammen. Obstbau Weinbau - Fachmagazin des Beratungsringes 55 (3), 17-18.
Dabei wurden die folgenden vier Themengebiete behandelt (siehe Abb. 1): Sortenentwicklung und Sortenprüfung, Reduktion der Rückstandsbelastung am Obst und in der Umwelt, Optimierung von Lagerung und Qualität des Obstes sowie Entwicklung nachhaltiger Produktionssysteme [3]. In jedem Themenbereich sammelte eine internationale Expertengruppe das aktuelle Wissen, fasste es in kurzen Berichten zusammen und identifizierte Wissenslücken und somit Bedarf für zukünftige Forschungs- und Innovationsprojekte.
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Abb. 1: Vier Themengebiete werden in EUFRUIT behandelt. // Four topics are covered in EUFRUIT.

Zur Verbreitung dieses einzigartigen Know-hows wurden regionale bzw. nationale Netzwerke genutzt bzw. gebildet, um den Austausch und Dialog mit lokalen Interessensvertretern zu fördern.

Eine nachhaltige und langfristige Wirkung soll über einen anhaltenden Dialog mit bestehenden Einrichtungen wie dem EUFRIN-Netzwerk, der Innovationspartnerschaft für Landwirtschaft (EIP-AGRI) sowie der Europäischen Kommission erzielt werden.

Knowledge Platform

Neben den oben genannten Maßnahmen wurde das aktuell verfügbare Wissen zu den vier Themenbereichen in einer öffentlich zugänglichen, virtuellen Informations- und Wissensplattform, der sogenannten Knowledge Platform (siehe Abb. 2), gesammelt und steht Forschern, Vertretern der Industrie, Politik, der angewandten Landwirtschaft und Interessierten in ganz Europa auch nach Projektende zur Verfügung. Auf diese Weise sollen das Forschungspotential der EU voll ausgeschöpft und vorhandene Forschungsergebnisse, Erfolgsmodelle und innovative Technologien europaweit optimal genutzt werden.

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Abb. 2: Die Website der Knowledge Plattform // The Website of the Knowledge Platform

Auf der Wissensplattform haben die Projektpartner Artikel, Präsentationen, Flyer und andere Publikationen meist in der Originalsprache gesammelt sowie eine Zusammenfassung in englischer Sprache verfasst. Für weitere Informationen steht der Kontakt der Ansprechperson neben der gewünschten Publikation zur Verfügung.

Insgesamt stehen auf der Plattform bereits rund 1000 Einträge (Stand 13. Februar 2019) zur Einsicht, zum Lesen, Herunterladen oder Nachforschen bereit. Bei 193 der Einträge handelt es sich um Publikationen für die Industrie, bei 41 um technische Broschüren und bei 51 um Flyer oder Newsletter. Insgesamt stammen 100 Einträge vom Versuchszentrum Laimburg, das in drei der vier Themenbereiche (Rückstandsminimierung, Sortenerneuerung, Qualität und Lagerung) vertreten ist. Obwohl das Sortenerneuerungskonsortium Südtirol, das im Themenbereich „Sortenerneuerung“ vertreten ist, vor allem mit vertraulichen Informationen arbeitet, konnte es 16 Einträge beisteuern.

In den letzten sechs Monaten (Stand Mitte Februar 2019) hatten durchschnittlich 141 Besucher pro Monat die Website besucht, um sich auf der Wissensplattform zu informieren [4].
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  • [4] Statistik erstellt durch Google Analytics.

Das Projekt endete offiziell mit dem 28. Februar 2018. Die Wissensplattform ist in die Website des Netzwerks EUFRIN eingebettet. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk aus Forschungsinstituten zum Obstbau in Europa und darüber hinaus. Die Mitglieder dieses Netzwerkes, von denen einige auch EUFRUIT-Partner waren, wollen die Plattform auch in Zukunft mit Wissen füttern.

Wissensvermittlung

Neben der Knowledge Platform können auch andere konkrete Ergebnisse des Projekts präsentiert werden. Während der Laufzeit von EUFRUIT haben die Partnerinstitutionen kontinuierlich ihre Aktivitäten zur Wissensvermittlung katalogisiert und kategorisiert (siehe Abb. 3). Damit kann nachvollzogen werden, wie oft und in welchem Zusammenhang die Forschung in Kontakt mit der Praxis getreten ist, um neu generiertes Wissen zu vermitteln. Daneben wurde angegeben, ob und wie oft sich die Forschungseinrichtungen untereinander ausgetauscht haben, um gemeinsam Lösungen für die Probleme der Praxis zu finden. So haben die 21 Partnerinstitutionen insgesamt an 470 Konferenzen und Stakeholderveranstaltungen bzw. Ausstellungen für Unternehmen teilgenommen, 108 Events für die Gesamtbevölkerung ausgeführt oder über 1000 Veranstaltungen für Landwirte organisiert [5]. Auffallend ist, dass vor allem die Experten, welche den Themenbereich Sortenentwicklung und Sortenprüfung behandelt haben, in Kontakt mit der Praxis getreten sind und von allen Themengebieten fortwährend am meisten publiziert und kommunizert haben. Dabei handelt es sich um ein brennendes Thema im Obstbau. Durch neue Sorten kann nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Mitstreitern gewährleistet, sondern auch eine nachhaltigere Produktion erreicht werden, z.B. durch den Anbau von Sorten, die robust gegen Krankheiten sind.
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  • [5] EUFRUIT thematic network – H2020 Grant Agreement 696337 Fi-nal Dissemination and Exploitation Plan.
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Abb. 3: Aktivitäten der Wissensvermittlung // Activities of knowledge transfer.

Die Abschlussveranstaltung des Projekts fand während der Messe Interpoma Mitte November 2018 in Bozen statt. Die Messe behandelt vor allem den Apfelanbau, trotzdem informieren sich auch Landwirte anderer Obstkulturen bei der Messe. Bei dieser Gelegenheit wurden Informationsbroschüren verteilt und die Wissensplattform konnte vor Ort ausprobiert werden. Das Projekt zielte darauf ab, Information und neue Erkenntnisse an die Produzenten zu vermitteln. Die Messe Interpoma, welche als größtes Event für Obstbauern in der EU angesehen wird, eignete sich daher ideal als Rahmen für diese Endveranstaltung.

Literatur

  • [1] Berger J., Strobl J. (2017). Europaweit vernetzt. Südtiroler Landwirt 71 (4), 48-49.
  • [2] Strobl J. (2018). Projekt EUFRUIT bringt Praxis und Forschung zusammen. Obstbau Weinbau - Fachmagazin des Beratungsringes 55 (3), 17-18.
  • [3] Retrieved February 21, 2019, from http://eufrin.eu/index.php?id=49.
  • [4] Statistik erstellt durch Google Analytics.
  • [5] EUFRUIT thematic network – H2020 Grant Agreement 696337 Fi-nal Dissemination and Exploitation Plan.
  • [6] Retrieved February 21, 2019, from http://eufrin.eu/index.php?id=50.